musik & poesie

Musik ist seit 25 Jahren wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Bis vor Kurzem war ich jedoch beinahe ausschließlich ein passiver, wenn auch aufmerksamer Hörer von unterschiedlichster Musik. Es begann einst mit den Beatles, die mir als erste jene Tore aufstießen, hinter denen ich die Prozesse, in denen Musik entsteht, oder vielmehr: wie sie geschöpft wird, bewusst beobachten konnte. Besonderes Interesse weckt in mir seit jeher Musik, die nicht stehen bleibt, sondern sich analog zur Entwicklung ihrer Schöpfer stets weiter entfaltet. Musikstile sind für mich dabei unbedeutend, einziger Schlüssel zum Zutritt ist Authentizität und Inhalt – das bedeutet für mich die Verwandschaft oder Identität der Musik mit der Künstlerin oder dem Künstler. Daher hat mich die schöpferische Arbeit etwa von Konstantin Wecker, Van Morrison, Leonard Cohen, Bob Dylan oder PJ Harvey ganz besonders inspiriert – und tut dies nach wie vor.

Recht früh haben mich Musikalben beeindruckt, die sich an unterschiedlichen Genres reibten, ihre Grenzen sprengten – wobei der jeweilige Stil stets Ausdruck des Inhalts war, nicht umgekehrt – und die als solches eine konzeptuelle Ganzheit bildeten, in Musik und Texten. So stieß ich etwa auf die Rockoper “Tommy” der wahnsinnigen Briten von The Who, auf “Pet Sounds” des Introvertikers Brian Wilson, auf “Suburbs” der innovativen Kanadier von Arcade Fire oder auf “Let England Shake” von PJ Harvey, einer der wegweisendsten Künstlerinnen der Gegenwart. All diese Alben, und noch etliche mehr, stechen dadurch hervor, dass sie jedes einzelne Musikstück mit einem Leitgedanken, einer Geschichte und ihren unzähligen, farbenprächtigen Schattierungen imprägnieren.

Als ich mich im Sommer 2017 an mein E-Piano setzte, um endlich das Spiel auf diesen geheimnisvollen, schwarz-weißen Tasten zu erlernen – ein Piano oder Flügel erzeugt für mich, gleich nach dem Kinderlachen, den tiefgründigsten und universellsten Klang dieser Erde – waren mir einige skizzenhafte Melodien und Songtexte, die seit einigen Jahren in meinem Kopf herumschwirrten, die wichtigste Motivation. Ich fühlte, dass ich mehr aus ihnen herausholen konnte als nur jene schlichten Grundideen, die mir einst zugeflogen waren, von wer weiß woher. Im Laufe der folgenden Monate dann und während etlicher Stunden improvisierten, autodikaktischen Lernens in Form von intensiver Tastenbehauung sind weitere Stücke entstanden, die, so denke ich, mit den ursprünglichen eine Einheit bilden und die ich in dem Album “Achter Tag” zusammenfasse.

Es sind Stücke in Polnisch, meiner Erst- und Vatersprache; in Deutsch, meiner Zweit- und Muttersprache sowie in Englisch, meinem Sprach-Schlüssel zu angloamerikanischen Songtraditionen. Die Mehrzahl der Stücke ist in einer rohen Soloversion, mit bescheidenen Heimmitteln registriert, auf youtube/Jan Opielka, zu hören. Die Aufnahme in einem professionellen Studio ist mein angestrebtes Ziel für das Jahr 2018, ebenso wie die Weiterentwicklung der Stimme, die sich als ein ebenso faszinierendes, wie mühsam zu formendes Instrument erweist – und über die jeder von uns verfügt, die Möglichkeit der Entfaltung inklusive.

Untenstehend habe ich einige Texte der oben beschriebenen Stücke eingestellt, dazu einige Gedichte und Gedanken. Sie sind entstanden während des Prozesses der Suche nach jenen Quellen, die alles und nichts bedeuten – und all die unzähligen Farben des Grünen, Blauen und Roten dazwischen.

 

5. Poesophie

Hej hej hej, siehst Du mich

Ich schau Dich an, und mag mit Dir erzählen.

Aber hej, hej, hej hoerste mich

ich höre Dir zu, und wir erzählen.

Aber hej, hej hej, traust Du mir

Obwohl ich weiß, dass ich nichts weiß,

außer dem, dass wir uns finden

Zwischen Sokrates und den Sternen.

 

Und dem Glauben ganz links in der Ecke /

Dort, wo ich mich seit jeher verstecke /

Und falsche Widersprüche aufdecke / in der Poesophie.

Mit dem Glauben ganz links in der Ecke /

Dort, wo ich mich seit jeher entdecke/

Und mit echten Widersprüchen anecke,

in der Poesophie.

 

Hej, und nun, traust Du mir?

Hej, hej, dann schau mich an – bitte

Hej, hej, und hoer mich an

Dann hörst Du mich, ich frage,

nach dem was ist, und warum es bleibt, in deiner meiner Welt,

dort wo der Himmel seine Gedichte aufbricht,

wundervoll und nackt,

zwischen dem Zimmermann und den Sternen.

Den Sternen der Poesophie …

 

Mit dem Glauben ganz links in der Ecke/

Dort, wo ich mich seit jeher verstecke/

Und falsche Widersprüche aufdecke,

in der Poesophie.

Mit dem Glauben ganz links in der Ecke /

Dort, wo ich Dich seit jeher entdecke/

Und mit echten Widersprüchen anecke,

in der Poesophie

 

Zwischen Sokrates und den Sternen,

zwischen dem Zimmermann und den Sternen, den vielen Sternen,

Wie Du Hannah, freie Radikale,

und Du Immanuel, Du mit den maximalen Maximen,

Und Sokrates, Du mit dem Kelch des Wissenden.

Und Karl, Du mit dem Glauben an die gute Gemeinde.

Und der Zimmermann, ja, der Zimmerman,

unfassbar auf dem Weg Richtung …

Und Du, Konstantin mit Deinen Tastennägeln auf den rechten Köpfen,

und Du Mister Bert, in Deinem Menschenorbit

Und Leonard, Du mit dem unsagbaren Humor

Und Du Van, mit der tanzenden Stimme.

Und Du, PJ Harvey, in Deinem alternativen Antikriegstanz,

und Deinen Häusern der Hoffnung.

Und all die anderen, all Ihr Anderen,

mit Euren verdichteten Lebensgedichten der Poesophie.

 

Und dem Vertrauen ganz links /

und über links nach oben. Über links nach oben,

dort wo ich seither mich und Dich entdecke,

und echte und falsche Widersprüche uns nicht erschrecken,

sondern wir sie – in den Flüssen der Poesophie.

Ist es wahr, ist es schön? Ja!?


Mit dem Vertrauen über links nach oben.

Dort wo Du warst, und auch Du,

und wo Ihr weiter seid.

 

Hej, hörst Du mich? Ja, Du.

Hier, zwischen Dir und mir – und den Sternen.

 

8. Jede Frau

(Dem Stück vorangestellt ist das Gedicht “Archaïscher Torso Apollos” von Rainer-Maria Rilke)

Und jetzt? Willst Du Meister werden?

bist noch or’ntlicher Geselle

Und jetzt willst du Meister werden

bist zwar guter, doch Geselle

Doch jetzt willst Du Meister werden

Hey, Geselle, mach Dich fort

Denn nun ist die Zeit Meister zu werden

Jetzt und hier, nicht dann und dort

Doch bevor du Meister werden kannst

Willst du dich sorgen, um jedermann? Ja…?!

Doch bevor du Meister werden kannst

Kannst du dich lieben, und jedermann? Und jede Frau.

Und jetzt? Willst Du Meisterin werden?

Bist noch fleißige Gesellin

Und jetzt willst Du Meisterin werden

Bist zwar kluge, doch Gesellin

Doch jetzt willst Du Meisterin werden

Hej, Gesellin, wirf‘ Deinen Scheinschleier hin

Denn es ist die Zeit, Meisterin zu werden

Du bist Schönheit, nicht Königin

Doch bevor Du Meisterin werden kannst,

Willst Du dich sorgen, um jedermann? Ja…?

Doch bevor Du Meisterin werden kannst

Kannst Du Dich lieben, wie jedermann? Und jede Frau.

 

Bridge

Hier an jenem Ort, schreibst Du Deinen eigenen Brief,

Es ist der Dank an Deine Meister Innen, verneigst Dich tief,

hebst Deinen Kopf, verwandelst Deine Macht,

Der Geselle winkt, die Gesellin lacht,

denn sie kommen mit, in anderer Tracht

Denn bevor Du Meisterin werden kannst,

Wirst Du zu dir stehen, wie eine Frau?

Denn bevor Du Meister werden kannst,

Wirst Du zu Dir stehen wie ein Mann?

Liebst Du Dich, liebt Ihr Euch? Und jedermann?

Und jede Frau.

Ja, jede Frau.